Lässt es Gott wirklich zu?

Hast du schon einmal den Ausdruck „Gott lässt es zu” verwendet?

Wie ist es dir ergangen, wenn du jemandem von etwas Traurigem erzählt hast und eine Aussage dieser Art gehört hast? „Gott hat das jetzt einfach zugelassen.“ Hast du dann manchmal das Gefühl: „Das kann nicht stimmen, aber wie kann ich es widerlegen?” oder „Das hilft mir momentan überhaupt nicht, aber das muss stimmen, denn Gott ist allmächtig!”?

Wir fühlen uns zurückgelassen mit der fast automatisch folgenden Frage: „Warum hat Gott es zugelassen?” Wir beginnen mit dem Versuch, diese Frage zu beantworten – und stehen dabei häufig an. Es gibt so viele Podcasts, Beiträge und sogar Bücher, die mir bei meiner Suche nach einer Antwort helfen könnten. Wir nutzen unsere Suchmaschinen, KI oder holen uns Rat von anderen. Wir sind damit beschäftigt einen Sinn in manchmal „sinnlosen“ Ereignissen zu finden: in Begebenheiten und Situationen die schwer zu verkraften sind und sich „böse“ anfühlen, wie lange Krankheiten, plötzlicher Tod, beeinträchtigende Unfälle und andere Schicksalsschläge.

"eine Falle des Anklägers"

Wo liegt der Grund für unsere Suche nach einer Antwort auf die „Warum“-Frage? Geht es darum, Gott weiter vertrauern zu können? Oder möchten wir einen Weg finden, um unseren Glauben zu erklären? Vielleicht gibt es auch andere Beweggründe?

Es gibt ein Gericht Gottes und manchmal lässt Er etwas zu (Joh. 11), aber sollen wir deswegen diesen Ausdruck zu einer Regel machen?

Mit diesem kurzen Artikel möchte ich dir Mut zusprechen, die Aussage „Gott lässt es zu“ loszulassen oder sogar zu begraben. Denn laut meinem Verständnis handelt es sich mehr um eine Falle des Anklägers als ein tröstendes Wort der Heiligen Schrift!

Gerne möchte ich dir meine Beweggründe dazu genauer beschreiben:

Erstens: Gott ist weder ein fernes Wesen noch ein Mikro-Manager. Er hat Adam damit beauftragt, aus freiem Willen – der Schöpfung Identität zu geben und sie sich untertan zu machen. Es war nicht Gottes Wille, dass der Mensch seine eigenen Wege geht! Hätte Er etwas dagegen unternehmen können – in einem Sinn JA, aber es hätte Seinem Wesen widersprochen. Denn Er ist kein Tyrann, kein Diktator, sondern ein Vater, der Seine Kinder mit ihrem freien Willen umwirbt. Gott reagierte auf unsere Missetat nicht mit Kontrolle, sondern mit unerforschlicher Liebe. Falls es einen Zusammenhang zu einem Unheil gibt, wird Er uns es offenbaren – aber bitte, es ist ein großes FALLS!

Zweitens: In Seinem Wort, sehen wir wie Sein Volk auf Schicksalsschläge reagiert hat: Entweder mit Rebellion (weil sie mit Ihm nicht einverstanden waren), oder mit Klageliedern (weil sie das Bedürfnis hatten ihr Herz ganz ehrlich vor Gott auszuschütten). Jesus schenkt uns den Heiligen Geist, um uns zu trösten, nicht um uns alles zu erklären. Ja, der Heilige Geist wird uns in alle Wahrheit führen. Das bedeutet jedoch nicht, alles erklärt zu bekommen, sondern dass uns das Wesen Jesu mehr und mehr offenbart wird.

Wenn der Fürsprecher kommt, den ich euch vom Vater aussenden werde, der Geist der Wahrheit, der vom Vater ausgeht, wird er Zeugnis ablegen über mich.

um uns zu zeigen wer wir sind

Denn die vom Geist Gottes getrieben werden, das sind Söhne und Töchter Gottes…  …ihr habt einen Geist der Kindschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater!

Denn wir wissen, dass die ganze Schöpfung seufzt und in Wehen liegt, bis zum heutigen Tag. Doch nicht nur dies; nein, auch wir selbst, die wir den Geist als Erstlingsgabe empfangen haben, auch wir seufzen miteinander und warten auf unsere Anerkennung als Söhne und Töchter, auf die Erlösung unseres Leibes.

Drittens: Christus kam unter anderem zu uns, um sich mit uns, mit dem, wer wir sind, und mit unserem Leid zu identifizieren (eine ähnliche Aufgabe hat der Heilige Geist). Jesus gibt uns keine Erklärung. Er wird zur Antwort unseres Schreiens.

“Kommt zu mir, ihr alle, die ihr euch plagt und von eurer Last fast erdrückt werdet; ich werde sie euch abnehmen.”

Es ist Sein Antlitz, das Heilung und Versöhnung bringt – mitten im Leben und im Angesicht des Unheils –, wenn wir zu ihm kommen.

Viertens bedeutet Röm 8,28 nicht, dass Gott alles zum Guten bewirkt (es muss also einen Grund für alles geben, somit hat Gott es zugelassen), sondern dass er mit uns arbeitet, wie wir es in der Zürcher Bibel finden.

 

Wir wissen aber, dass denen, die Gott lieben, alle Dinge zum Guten mitwirken, denen, die nach seinem Ratschluss berufen sind.

Gottes Plan wird nicht zerstört werden durch Missstände, sondern Er hat uns berufen, Mitarbeiter in Seinem Auftrag der Wiederherstellung aller Dinge zu sein. Dort, wo wir uns trösten lassen, unsere Herzen erneuern und neue Kraft empfangen,
werden wir wie Adler neue Höhen erreichen.

Wenn wir von großen Nöten erfahren und innerlich erschüttert sind, was können wir dann sagen? Es ist eher ein Schrei als eine Erklärung, ein „Ich brauche dich“, anstatt eines „Erkläre mir“ (der versucht, einen Grund für Sein Nicht-Handeln zu finden).

Ich bete dafür, dass du den Weg zu dieser Begegnung finden kannst, in allem, was du erlebst. Ich bete dafür, dass du die Aussage „Gott lässt es zu” loslassen und die Erfahrung „Gott begegnet mir” machen kannst.

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